Elefanten – frei im thailändischen Regenwald

Von Chiang Mai in die Berge
Die Vorfreude auf den heutigen Ausflug in die Berge zu den Elefanten ließ mich heute viel zu früh aufstehen und meine Sachen packen. Der Aufbruch in den Regenwald war um 9.00 Uhr geplant und Jonggong hatte mich vorher zum Frühstück eingeladen.

Zu diesem besonderen Ereignis nahm ich natürlich die Spiegelreflexkamera und die Kompaktkamera mit. Außer einem zusätzlichen Pullover, der in den kühlen Bergen von Nöten sein würde, nahm ich nur noch eine Flasche Wasser mit, weil ich keine Lust hatte, mehr zu tragen.

Ich spazierte also die 300 m bis zu Jonggons Haus, in dem sie mich schon erwartete. Sie hatte auf einem Bananenblatt Reis mit Mango vorbereitet und ich aß dazu noch ein paar ganz frische Bananen. Pon, Jongonggs Freund und sein Bruder Nat, der den Hillux fuhr, waren auch schon etwas eher da, und so brachen wir noch vor der vereinbarten Zeit auf.

Wir fuhren ungefähr 2,5 Stunden lang. Der erste Teil der Strecke, der aus der Stadt hinaus führte bestand aus guten, geteerten Straßen an deren Seiten dünner besiedelte Dörfer und Siedlungen lagen. Im zweiten Teil der Strecke fuhren wir lange Zeit über geteerten Straßen steil bergauf und bogen dann in immer buckligere Pisten ab. Teilweise verlief die Straße so scharf an Abgründen entlang, daß mir bewußt wurde, daß vermutlich einer der gefühlt besten Fahrer der Welt neben mir sitzen muß.

Es war ein trockener aber kühler Tag. Wie die Strecke an regnerischen Tagen passiert werden kann, war mir ein Rätsel. Auf die Frage, was sie denn machen, wenn es regnet, lachten alle Insassen des Autos, und Pon meinte: „We drive the same way“.

Entspannt lernten Pon und Jonggon auf dem Rücksitz Englisch und unterhielten sich, Nat fuhr und ich versuchte aus dem fahrenden Auto zu fotografieren. Dank Sportprogramm entstanden dabei sogar ein paar schöne Landschaftsfotos.

Nach ca. 2 Stunden hielten wir in einem kleinen Dorf an. Eine Frau und ein kleiner Junge, kletterten auf die Ladefläche des Hillux. Es war Pon´s Frau und sein Sohn, die uns nun begleiteten.

Die Familie
Nach weiteren 15 Minuten waren wir am ersten Etappenziel angelangt. Hier hatte Pon´s Familie für Touristen eine Holzhütte, eine Küche und einen Außenfreisitz gebaut. Seine Eltern begrüßten uns und boten uns Kaffee an. Wir schauten uns etwas um, und setzten uns dann.

Es war sehr angenehm, die Hände an der Kaffeetasse zu wärmen. Wir waren hier auf ca. 1600 m Höhe und es wehte ein leichter, kalter Wind.

Die Frauen der Familie verschwanden in der Küche und Jonggon und ich gingen zur Viehweide, die wir von der Ferne gesehen hatten. Pon´s Großmutter stand dort bei den Rindern und ihre bunte Kleidung bildete einen wunderbaren Kontrast zu den grauen Tieren und der braunen Erde.
Ihr Gesicht strahlte Zufriedenheit und Zuversicht aus. Sie war ein wunderschönes Fotomotiv. Pon´s Frau gesellte sich zu uns und colorierte das Bild neben der Großmutter mit einem weiteren schönen Farbpunkt. Wir erfreuten uns alle an einem spontanen Fotoshooting bis wir zum essen geholt wurden.

Ich war sehr dankbar, daß für mich ein vegetarisches Mahl zubereitet wurde. Für Gäste wird zu besonderen Einladungen sonst meist ein Fleischgericht gereicht. Das hatte ich meiner umsichtigen, neuen Freundin zu verdanken, und ich warf ihr einen dankbaren Blick zu.
Nachdem wir uns alle getärkt hatten, stiegen wir wieder in das Auto ein. Pon´s Vater und sein Sohn hatte die kleine Gruppe um zwei weitere Personen erweitert.

Elefanten in freier Natur
Unser Ziel waren die Elefanten, die nun frei im Bergwald leben dürfen. Es sind aktuell 4 Elefanten. Ein Bulle, zwei weibliche Elefanten und ein Elefanten-Baby, daß ca. 5 Jahre alt ist. Jeder der Elefanten hat seine eigene Geschichte. In früheren Zeiten wurden die Elefanten vermietet, um Holz aus den Wäldern zu ziehen. Das ist in der Zwischenzeit von der thailändischen Regierung verboten worden.
Viele Elefanten wurden nach diesem Verbot für touristische Zwecke eingesetzt.
Heute sind diese 4 Elefanten, die noch im Besitz von Pon´s Familie leben frei im Wald unterwegs. Sie werden nur von 4 Mahouts begleitet, die dafür sorgen, daß die Elefanten nicht die Grundstücke benachbarter Farmer abfressen. Ein Elefant frißt 200-250 kg Grünpflanzen am Tag.
Ich war jetzt wirklich bereit, die Elefanten live zu sehen. Wir bogen wieder einmal links oder rechts ab und diesmal ging es bergab. Tiefe Furchen durchzogen die Piste und nach weiteren 10 min. blieben wir stehen. In den Hügeln links von uns hatten wir einen Elefanten gesehen! Jonggon und ich liefen zurück und beobachteten den Elefantenbullen, der mit Fressen beschäftigt war. Er bemerkte uns gar nicht. In der Massai Mara in Kenia ist mir schon einmal ein einzelner Elefantenbulle begegnet. Damals waren wir auf Safari mit dem Jeep unterwegs. Der Fahrer schätzte die Situation damals als gefährlich ein, und fuhr schnell davon. Der Rest der Gruppe wartete auf uns, und wir schloßen uns wieder an.

Lange wanderten wir bergab und dann wieder bergauf, überquerten einen Bach und stiegen wieder steil bergauf. Als wir auf eine Lichtung kamen fanden wir dort eine Hütte, Sitzplätze und 2 Männer vor, die gerade an einem Lagerfeuer saßen. Dies war der Platz an dem auch  Gruppen von Besuchern übernachten könnten, erzählten sie mir. Immer wieder wurden mir verschiedene Pflanzen gezeigt, ich probierte sie und bekam dazu immer eine Kurzinformation für was sie verwendet wurden. Jonggon  war sehr gut über Heilpflanzen informiert, und hatte ja auch ein medizinisches Studium hinter sich. Wir brachen wieder auf. Nun ging es durch dichteres Gestrüpp und auf einmal waren sie da. Drei Elefanten – die zwei weiblichen Elefanten und das Elefantenbaby standen an einem Hügel und rupften an den riesigen Bambus- und Bananenblättern. Dabei legten sie den Rüssel geschickt um das ganze Blatt und zogen dann von unten nach oben das Blatt vom Stengel. Sie drehten den Rüssel und ließen es dann geschickt im Maul verschwinden. Faszinierend zu beobachten, war es auf jeden Fall!

Wir hatten ein paar Bananen mitgebracht, und so durfte ich das Baby füttern. Lustig suchte es mich mit dem Rüssel ab, und schnappte sich die Bananen in meiner Hand. Ich konnte die rauhe, haarige Haut des Elefanten spüren. Auf dem Weg hierher bin ich zum Größenvergleich einmal in einen Fußstapfen getreten, und selbst das Baby flößte  mir Respekt ein.
Während der ganze Zeit waren die beiden speziellen Elefantenfreunde in der Nähe. Die beiden weiblichen, älteren Elefanten fraßen weiter die grünen Blätter und wir beobachteten sie in gebührendem Abstand. Es dauert zwei Monate bis die Blätter wieder in gleicher Länge nachgewachsen sind, so ist es klar, daß das Gebiet in dem man Elefanten leben können, doch sehr groß sein muß.
Wir kauerten uns auf einem kleinen Hügel zusammen und beobachteten weiter die Elefanten. Plötzlich setzte sich einer der beiden großen in unsere Richtung in Bewegung. Aber auch er war an Menschen gewöhnt, und suchte mich auch erst einmal mit dem Rüssel nach Bananen ab. Glücklicherweise wurde ich immer weiter gut mit Bananen versorgt, und konnte so das Zusammensein mit diesem Tier genießen. „We bring them to the Water“, sagte der Mahout des großen Elefanten und lockte ihn mit Bambusrohren, in denen Flüssigkeit war einen Trampelpfad entlang, der wieder zwischen die Hügel bis zu einem kleinen Bach führte. Über diesen waren Bambusrohre gelegt, auf denen wir auf die andere Seite balancierten. Die Elefanten folgten ihrem speziellen Freund und bald waren wir alle an diesem Bach angekommen. Auf der gegenüberliegenden Bachseite stellten sich die Elefanten nebeneinander und genoßen das kühle Naß. Nachdem die beiden Mahouts den Bach überschritten hatten folgten auch nach einer Weile die Elefanten. Wieder bergauf gingen wir noch eine ganze Weile gemeinsam. An einem Holzunterstand verweilten wir. „Say goodbye to the Elephants“ wurde ich aufgefordert. Ich genoß noch einmal den Anblick und machte mir auch noch einmal bewußt in welch reicher Natur ich hier sein durfte. Der Abschied fiel mir schwer, aber so wie es aussah war das nun für die Elefanten und die Mahouts das Nachtlager.

Pon´s kleiner Sohn lief immer lachend voraus und wir folgten ihm. Der Aufstieg war sehr steil und ich mußte sehr genau aufpassen, wo ich hinstieg, da ich ja sowieso mit Sprunggelenksverletzungen vorbelastet bin.
Ich schlug mich tapfer, Jonggon unterhielt mich auch auf dem Rückweg mit der Entdeckung weiterer Heilpflanzen aller Art. Elefanten sind sehr sensible Tiere, die empfindlich auf Pestizide reagieren. Das heißt wo Elefanten gut leben können, ist auch für den Menschen ein guter Platz. Nach geraumer Zeit kamen wir wieder am Auto an.
Der beste Fahrer der Welt chauffierte uns wieder über bucklicke Pisten und bog in einem kleinen Dorf links ab. Er fuhr eine Einfahrt hinunter und blieb stehen.
„We visit the Grandfather“ erzählten sie mir während wir ausstiegen. Zuerst führten Sie mich herum und es stellte sich heraus, daß dies ein thailändischer Biohof war, in dem sogar Tee und Kaffee als Permakultur wuchsen. Eine Nordthailändische Teepflanze zu sehen stand auf meiner Wunschliste für diese Reise. Dies erfüllte sich nun also auch. Anders als in Indien oder China werden die Teepflanzen hier jedoch als eine Art Kaugummi verwendet.
Das war mir alles neu.
Der Urgroßvater kam nun aus einer Hütte auf uns zu. Er war 96 Jahre alt und machte noch einen sehr vitalen Eindruck. Pon erzählte uns, daß der Urgroßvater immer davon sprach, daß in seinen Jungendjahren jede Familie im Distrikt Elefanten hatte, und sie zeigten mir verblaßte Fotos mit Elefanten. Nun war das aber alles anders. Nachdem die Regierung die Abholzung der Regenwälder und den Einsatz von Elefanten verboten hatte, war die Familie des Urgroßvaters nun die einzige, die noch Elefanten hatte und sie durften in Freiheit leben.
Wir planten einen Flyer über die Tour und die Geschichte zu gestalten und so entstanden noch verschiedene Fotoaufnahmen mit dem Urgroßvater. Nach ca. 1 Stunde war die Zeit für den Aufbruch gekommen und wir fuhren in der zauberhaften Stimmung der untergehenden Sonne zurück nach Chiang Mai. Das war ein unvergesslicher Tag. Ich war sehr glücklich, daß ich auf diese achtsamen Menschen und die Elefanten in freier Natur gestoßen war.

An den nächsten Tagen hatten wir einen Flyer gestaltet, den ich Euch hiermit präsentieren darf – solltet ihr einmal in diese Gegend kommen, kann ich Euch das besondere Erlebnis wärmstens empfehlen!

Flyer Green Alternativ Tours – Chiang Mai – Reisen mit Herz – Sie bringen die Elefanten zurück in den tropischen Regenwald.

2 Gedanken zu „Elefanten – frei im thailändischen Regenwald“

  1. Hallo Mony
    Danke für den tollen und sehr interessanten Bericht von deinem Ausflug zu den „Eingeborenen“ Ich war einmal vor etwa gut 20Jahren von Mae Hong son aus (das ist westlich von C.M. nahe der burmesischen Grenze)in einem kleinen Weiler, da konnte man auch diesen Stamm mit den Elefanten begleiten, diese Elefanten waren aber noch Arbeitselefanten. Diese Leute, vom Stamm der Karen, lebten genau so. Deine Bilder erinnern mich an diesen Ausflug. Ich glaube an den bunten gewobenen Kleidern zu erkennen dass du auch Karen besucht hast. Wie auch immer, du hast etwas einzigartiges erlebt, Du darfst dich wirklich glücklich schätzen und hast erst noch etwas zur Existenz der Leute beigetragen. Toll!

    1. Hallo Anna Maria, danke für Deinen Beitrag. Ja, stimmt Du hast Recht, das sind die Leute vom Karen Tribe. Der Großvater mit 96 Jahren hat erzählt, daß dort früher jede Familie Elefanten hatte und nun sind sie die letzten in der ganzen Gegend.
      Daß die Elefanten nun frei leben dürfen hat mich riesig gefreut. Für die Alternativen Touren habe ich einen Flyer gestaltet, den ich im Beitrag noch ergänze. Wenn ich für den Erhalt und die Existenz einen Beitrag leisten konnte, dann wär das doch etwas sinnvolles, was man mit seinem Leben anfangen kann. viele liebe Grüße! Mony

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